Landschaftsnutzung

Landwirtschaft

Durch die überwiegend relativ armen sandigen und meist sehr feuchten Böden wurde das Gebiet des heutigen Biosphärenreservates relativ spät und im geringeren Maße erschlossen und genutzt. Ausgedehnte Rittergüter waren typisch. Die landwirtschaftliche Nutzfläche war im Vergleich zu heute bis zum 18. Jahrhundert deutlich kleiner.

Im 19. Jahrhundert kam es durch die Ablösung der herrschaftlichen Rechte durch die Agrarreform, die Einführung des Kartoffelanbaus und die Melioration zur Entwicklung der Landwirtschaft und zu deren Flächenausdehnung. Auf Grund der armen Böden hatte beim Getreideanbau der Roggen den größten Stellenwert. Seltener wurden Hafer und Weizen und in Gütern mit Braurechten Gerste angebaut. Buchweizen und Hirse waren häufig in Kultur. Seit 1800 nahm der Anbau der Kartoffel insbesondere mit der Kartoffel-Spiritus-Produktion deutlich zu. Brennereischornsteine prägen noch heute im Raum Guttau das Dorfbild. Daneben hatte der Flachsanbau und ab dem 19. Jahrhundert auch der Rapsanbau eine gewisse Bedeutung. Hopfen, Hanf, Mohn, Tabak, Wein und Obst wurden fast ausschließlich für den Eigenbedarf angebaut.

Rinder- und Schweinehaltung waren allgemein verbreitet. Die Schafhaltung wurde meist nur durch die Gutsherrschaften betrieben. Auch die Gänsehaltung war nicht unbedeutend, dagegen waren Pferde- und Ziegenhaltung nur im geringen Maße ausgeprägt. Lange Traditionen haben die Bienenzucht und die Zeidlerei (Waldimkerei).

Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist heute mit 10.530 ha auf Grund der verhältnismäßig armen Böden deutlich kleiner als die Waldfläche (14.166 ha). In den vergangenen 50 Jahren nahm vor allem im Zusammenhang mit der Hydromelioration der Anteil an Ackerfläche (7.400 ha) deutlich zu. So konnten reichere, aber anmoorige Böden für die Ackernutzung erschlossen werden. Die Ackerschläge wurden erheblich vergrößert, so dass häufig nur Gräben und Wege die Flächen strukturieren. Größere zusammenhängende Grünlandareale sind nur noch in der Aue der Kleinen Spree, des Weigersdorfer Fließes und des Schwarzen Schöpses erhalten geblieben.

Die Ackerflächen werden fast ausschließlich mit Gerste, Roggen, Mais, Raps und Kartoffeln bestellt. Luzerne, Lupine, Hafer, Weizen und Flachs werden nur auf relativ kleiner Fläche angebaut. Ein Ackerwildkrautschutzprogramm, welches auch die Erhaltung alter Kultursorten beinhaltet, wurde durch die Biosphärenreservatsverwaltung initiiert.

Wildkrautacker Tauer

Wildkrautacker bei Tauer (Foto: Bodo Hering)

Die Landwirte werden unterstützt, neue Produktpaletten zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen. Ziel ist es den Chemikalieneinsatz weiter zu verringern. Besonders gut werden die Programme von den kleineren Betrieben (<500 ha) angenommen. Diese haben aber nur etwa 15 % der gesamten Landwirtschaftsflächen im Gebiet unter ihrer Bewirtschaftung. Die großen Betriebe haben Probleme bei der Einführung einer umweltfreundlicheren Bewirtschaftung, da es dafür großer Änderungen des gesamten Betriebsregimes und umfangreicher Investitionen in Anlagen und Technik bedarf. So gibt es nur eine geringe Akzeptanz zur angestrebten Verkleinerung von Schlägen auf zumindest 25 ha Flächengröße oder des Ackerrandstreifenprogramms. Trotzdem haben durch die bisherigen Veränderungen im Ackerbau einige Arten (z.B. Kornblume) wieder deutlich zugenommen.

Im Unterschied zum Ackerbau gibt es erhebliche Extensivierungstendenzen bei der Grünlandbewirtschaftung. Der Einsatz von Mineraldünger ist deutlich verringert, der Viehbesatz sank ebenfalls. Feuchte Standorte werden durch leichtere Technik bewirtschaftet bzw. durch geeignete Tiere (Moorschnucken u.a.) beweidet. Der Artenreichtum im Grünland ist durch Nährstoffaustrag und leichte Wiedervernässung deutlich angestiegen. Etwa zwei Drittel des Grünlandes werden gemäht, ein Drittel beweidet. Bei der Staffelnutzung (Verkleinerung der Schnittflächen in einem Arbeitsgang) und der Auskopplung von Gehölzen und Uferrandstreifen sind die ersten Erfolge in der Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz zu verzeichnen.

Forstwirtschaft

Die Nutzung des Waldes hat eine lange Tradition. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Holz der wichtigste Energie- und Baustoff. Der immense Holzkohlebedarf für die zahlreichen Eisenhütten zur Verhüttung des Raseneisensteins brachte es mit sich, dass die Meilerei lange Zeit die wichtigste Holzverarbeitungsmethode war. Besonders in der Nähe der Eisenhütten konnte es in Verbindung mit anderen Waldnutzungen, insbesondere der Zeidlerei bzw. der Streu- und Weidewirtschaft, zum Holzmangel. Die Übernutzung der Landschaft führte zur Verheidung. Erst Anfang des 19. Jahrhundert begann mit der geregelten Forstwirtschaft die gezielte Wiederbewaldung. Vorrangig wurde seitdem die Kiefer angebaut. Zunehmend siedelten sich seit diesem Zeitpunkt auch Sägewerke, Möbeltischlereien sowie Papierfabriken an. Das Sammeln von Beeren, Pilzen und Leseholz sowie die Streunutzung waren für die einheimische Bevölkerung ebenfalls von hoher Bedeutung.

Die Waldfläche ist heute überwiegend großräumig strukturiert. Zahlreiche Teiche und Teichkomplexe sind von Wäldern umgeben, während die Flussniederungen nur örtlich Waldreste aufweisen. Die Waldflächen befinden sich zum größten Teil in Privatbesitz. Nur ca. 5.000 ha der insgesamt über 14.000 ha Wald sind im Bundes-, Landes- oder Kommunalbesitz.

Entsprechend der armen Böden der Lausitzer Heide und den guten Wuchsleistungen dominiert im Oberbestand die Kiefer mit 87 % Anteil. Mit 3,7 % nimmt die Fichte, wenn auch nicht immer standortgerecht, einen beachtlichen Flächenanteil ein. Die Birke ist mit 4,5 % die häufigste Laubbaumart im Oberbestand. Die Schwarzerle nimmt 2,3 %, die Stieleiche 1,4 % der Fläche ein. Etwa 17 % der Bestände (ohne Unterstand) sind jünger als 20 Jahre, 34 % 21-50 Jahre, 26 % 51-80 Jahre, 12 % 81-100 Jahre und nur 11 % über 100 Jahre alt.

Kiefernforst Bärwalde

Kiefernforst bei Bärwalde (Foto: Dirk Weis)

Die Bestände werden mittlerweile weitgehend kahlschlagslos bewirtschaftet: Kleinflächige Kahlschläge auf trockenen Standorten werden aus Artenschutzgründen nicht grundsätzlich abgelehnt. Infolge der deutlich naturnäheren Bewirtschaftung in allen Eigentumsformen erhöht sich der Laubholzanteil erheblich. Problematisch ist die zunehmende Mechanisierung der Holzernte. Aus Kostengründen wächst der Anteil der Arbeit mit Harvestern (Vollerntemaschinen) im Wald. Nachteilige Auswirkungen sind besonders auf den grundwassernahen Standorten zu erwarten. Der Einsatz von Dünger und Bioziden ist unbedeutend. Weder durch Luftschadstoffe noch durch Insekten gibt es nennenswerten Schäden, lediglich das Eichensterben ist im Gebiet ein Problem. Wildverbiss ist häufig festzustellen.

Teichwirtschaft

Das regionale, landschaftsprägende Spezifikum und von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung war und ist die Teichwirtschaft. Seit dem 13./14. Jahrhundert war die Teichwirtschaft in den Guts- und Grundherrschaften belegt. Im 15. und 16. Jahrhundert kam es zur deutlichen Vergrößerung des Teichbesitzes. Die Anlage der Teiche erfolgte vor allem in den dorfnahen Bereichen der Flussauen, die sehr hohe Grundwasserstände aufwiesen und wo die landwirtschaftliche Nutzung weniger Gewinn versprach. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Teichwirtschaft sowohl flächen- als auch leistungsmäßig ausgebaut. Im 19. Jahrhundert wurden erste Teiche in landwirtschaftliche oder forstliche Flächen umgewandelt. Dies wurde im 20. Jahrhundert durch die bergbaubedingte Flächeninanspruchnahme und Grundwasserabsenkung deutlich verstärkt, doch ist das Oberlausitzer- und Niederlausitzer Teichgebiet bis heute das größte zusammenhängende Teichgebiet Mitteleuropas geblieben (FÜLLNER 1995).

Die Teiche sind im Durchschnitt weniger als 1 m tief und bis 90 ha groß. Durch die geringe Wassertiefe kommt es zur schnellen Erwärmung der Teiche, was den Stoffwechsel, damit die Nahrungsaufnahme und das Wachstum der Karpfen verbessert. Die größten Teichgruppen sind 350 ha groß.

Teiche werden vor allem im Herbst abgelassen, aber auch im Frühjahr und im Frühsommer sind je nach Fischalter und -art abgelassene Teiche anzutreffen. Die Teiche bleiben im Herbst ohne Wasser, sofern sie nicht für die Winterung der jüngeren, nicht verkaufsfähigen Fische vorgesehen sind, oder aus Artenschutzgründen die Befüllung notwendig ist. Ziel ist die Mineralisierung des Faulschlammes durch den Sauerstoffeinfluss aus der Luft. Damit bleiben Nährstoffe im Teichboden erhalten, aber die Gefahr von Sauerstoffmangelsituationen durch sauerstoffreduzierende Reaktionen in dicken Faulschlammauflagen in warmen Sommermonaten wird verringert. Gleichzeitig werden Krankheitserreger (z.B. Fischegel, Karpfenlaus) durch die Austrocknung und den Einfluss des Frostes zurückgedrängt.

Durch die Winterbespannung (Winterfüllung) nur kurzzeitig trockenliegender Teiche können viele gefährdete Arten in den Teichen überleben. Deutlich erkennbar ist dies bei der Schwimmblattvegetation. Seerosen überleben nur in dicken Schlammschichten oder wasserbedeckt die Frostperiode. Auch für Wirbellose, Amphibien und beim Fischotter kann mit der Winterbespannung ein wertvoller Beitrag zum Artenschutz geleistet werden. Die Winterbespannung in 10 % der Teiche möglichst in jeder Teichgruppe wird angestrebt. Vor 1900 war die Winterbespannung deutlich häufiger.

Bassackerteich

Bassackerteich als Streckteich genutzt (Foto: Peter Ulbrich)

Die Erträge lagen um 1900 zwischen 50-250 kg/Jahr und ha. Mit dem höheren Nährstoffeintrag durch das Zuflusswasser seit 1900 und später durch die Getreidezufütterung stieg der Ertrag kontinuierlich an. Zu Beginn der sechziger Jahre wurde auf Grund der Mangelsituation an Speisefischen in der DDR eine erhebliche Produktionssteigerung angestrebt. Die Teichböden wurden entlandet (mit schwerem Gerät ausgeschoben). Die trogartige Ausformung entlandeter Teiche und die Strukturverarmung durch die Beseitigung von Flachwasser- und Verlandungszonen brachte erhebliche Habitatverschlechterung für die meisten Arten der Wirbellosen, Amphibien, Wildfische und Vögel mit sich. Dazu kam die Anhebung der Besatzdichten, Getreidezufütterung und später die Pelletintensivwirtschaft. Die damit verbundene Erhöhung der Nährstoffe bzw. die zunehmende Wassertrübung wirkte sich auf viele Artengruppen negativ aus. Örtlich wurden über 2.000 kg Karpfen/ha und Jahr produziert.

Mit der Ausweisung des Biosphärenreservates wurde im Gebiet wieder eine auch positiv nachhaltig auf die Naturausstattung wirkende Teichbewirtschaftung praktiziert. Die Teiche konnten sich wieder wesentlich vielfältiger und artenreicher entwickeln. Der Durchschnittsertrag sank auf 550 kg/ha.

Einen Überblick über die Karpfenbewirtschaftung gibt folgende Tabelle nach R. M. SCHREYER (briefl.), unter Berücksichtigung von Fachliteratur über Fischereiwirtschaft:

Teich

Bezeichnung

Kurz-
bez.

Alter

Besatzzeit

Masse in g

Größe in cm

Laichteich

Karpfenbrut

(K0)

0 - 7 Tage

Mitte Mai

 

- 0,7

Vorstreck-
teich

vorgestreckte Karpfen

(Kv)

7 Tage - 6 Wo.

Mitte Mai - Ende Juni

0 - 1,5

0,7 - 4,0

Brutstreck-
teich

einsömmrige Karpfen

(K1)

6 Wo. - 5 Mon.

Ende Juni - Ende Okt. z.T. Ende März

1,5 - 50

4,0 - 15

Streckteich

zweisömmrige Karpfen

(K2)

10 Mon. - 1,5 Jahre

März - Nov.

50 - 350

15 - 30

Abwachs-
teich

Speisekarpfen

(K3) o. (KSP)

2 - 2,5 Jahre

März - Okt.

350 - 2.000

30 - 40

Winterteich

ein- oder zweisömmrige Karpfen

(K1o. K2)

5 - 10 Monate o. 1,5 - 2 Jahre

Nov. - März

je nach Alter

je nach Alter

Die Hauptwirtschaftsfischart in den Teichen ist der Spiegelkarpfen. Weitere Arten sind z.B. Schleie, Hecht, Zander, Wels, Silber-, Gras- und Amurkarpfen.

Abfischen

Abfischen (Foto: Dr. Astrid Mrosko)

Jagd

Hauptwildarten im Gebiet des Biosphärenreservates sind Reh-, Schwarz-, Rot-, Damwild und Enten. Die Reh-, Rot- und Damwildbestände konnten in den letzten Jahren in den meisten Gebieten durch gezielte Bejagung etwas verringert werden. Der Bestand des Schwarzwildes wird durch den zunehmenden Maisanbau begünstigt.

Feldhühner und Feldhasen spielen auf Grund der ausgeräumten Agrarlandschaft als Jagdwild keine Rolle. Der Feldhase ist an vielen Stellen zum „Waldhasen“ geworden oder ganz verschwunden.

Auf Grund des Wasservogelreichtums spielten Entenjagden schon immer eine große Rolle im Gebiet. Mit der Extensivierung der Teichwirtschaft nahmen die häufigen Wasservogelarten zum Teil ab, die Graugans und die nordischen Gänse nahmen deutlich zu. Zur Schonung der Wasservögel wurde nach intensiven Diskussionen als Kompromiss zwischen Naturschutz- und Jagdinteressen festgelegt, dass eine abgestimmte Gemeinschaftsjagd auf Wasservögel pro Jahr zulässig ist. Dabei werden Ruhezonen für besonders gefährdete Arten ausgewiesen. Bezüglich der Einzeljagden sind die Jäger gefordert, entsprechend den Vorschlägen von WOTSCHIKOWSKI (1994) zu einer naturgemäßen Jagd, ihrer Verantwortung als anerkannter Naturschutzverband gerecht zu werden.

Vergrämungsabschüsse auf Kormoran bzw. Graureiher werden im Einzelfall (durch das Regierungspräsidium Dresden bzw. die Forstdirektion) lokal genehmigt. Die Bejagung von Raubwild beschränkt sich überwiegend auf den Fuchs, vereinzelt wurden auch auf Minke, Marderhunde und Waschbären erlegt.

Rehwild

Rehwild (Foto: André Klingenberger)

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